Kann eine Kampagne auf allen Kommunikationskanälen funktionieren?

Kann eine Kampagne auf allen Kommunikationskanälen funktionieren?

Unternehmen haben heutzutage eine Masse an Kanälen, die mit Werbung bespielt werden müssen. Dabei hat sich das Werbebudget allerdings nicht erhöht im Vergleich zu der Zeit, wo nur Print, Radio und Fernsehen bespielt wurden. Das führt dazu, dass eine Kampagne erstellt wird und soweit herunter gebrochen wird, dass sie auf alle Kanäle gleichzeitig passt. Meist fühlt es sich an, als hätte man einen Kaffee so sehr mit Wasser, Zucker und Milch versetzt, dass man den eigentlichen Geschmack des Kaffees nicht mehr erkennen mag. Jeder kriegt sein eigenes kleines Stück vom Kaffee ab, aber niemand hat den Kaffee, den er am liebsten trinken möchte.

Die Kompromissbereitschaft innerhalb der Kommunikationskanäle ist exorbitant hoch, denn niemand möchte auf nur einen Kanal verzichten. Werbetreibende laufen dabei wie auf rohen Eiern über den Küchenboden der Schwiegermutter, die grade frisch gewischt hat. Doch liegt die Ursache des Problems nicht doch eher in der Werbewirtschaft?

Das goldene Zeitalter der Werbung ist vorbei, denn das goldene Zeitalter der Werbung hat grade erst begonnen.

Es war noch nie so einfach, Millionen Menschen gleichzeitig zu erreichen und dabei die gleichen Kanäle wie international erfolgreiche Unternehmen zu benutzen. Jede Privatperson kann die gleichen Werbeeffekte erzielen wie ein gestandenes Unternehmen. Die Marken und Unternehmen werden dabei zunehmend fragiler und das Individuum, dass sich Influencer nennt, erhält immer mehr Aufmerksamkeit. Noch nie gab es so viele Meinungsmacher und auch Informationen zu allen erdenklichen Sachen. Dabei eine entsprechende Übersicht zu behalten ist für den Verbraucher wie für die Unternehmen sehr schwer.

Jede Person kann seine Geschichte erzählen und direkt mit der gesamten Welt teilen. YouTube alleine hat mittlerweile fast 2 Milliarden angemeldete Benutzer, die Monat für Monat Unmengen an Video Content konsumieren. Dies hat dazu geführt, dass man durch den selbst erstellten Content auch Werbeeinnahmen generieren kann. Die Zahl der Leute, die mit YouTube alleine 5 oder 6-stellige Beträge jeden Monat verdienen, wächst immens mit jedem Tag.

Diese Tendenz bringt Risiken und Chancen für die Werbewirtschaft. Es ist ein eindeutiges Zeichen, dass Erfahrungsberichte natürlicher Personen und das damit verbundene Empfehlungsmarketing wieder einen höheren Stellenwert eingenommen haben. Die Meinungsmacher in den sozialen Netzwerken und diversen Unterhaltungskanälen bieten eine authentische Sicht auf die Dinge und werden von Unternehmen gerne als Testimonials gebucht. Marken und Produkte können so zielgerichtet und simpel positioniert werden. Schwierig wird es jedoch, da Unternehmen mit ihren Werbemitteln immer mehr unterhalten müssen und sich so in ein neues Mediensegment begeben. Pure Information als Kommunikationsmittel zu nutzen ist nicht mehr zeitgemäß und wird mit Ignoranz der Verbraucher abgestraft, besonders wenn man das Werbebudget auf mehr und mehr Kanäle aufteilt. Wenn ein Unternehmen wirklich alle Kanäle einzeln bespielen möchte, muss es zwangsläufig mehr Budget einplanen oder unter dem übergeordneten Thema der Kampagne kanalspezifische Medien erstellen.

Kompromissbereitschaft muss jedes Unternehmen mitbringen. Entweder man nimmt ein grobes Thema und setzt dieses für jeden Kanal einzeln um oder setzt für jeden Kanal eine eigene Kampagne auf. Spezifische Kampagnen, die auf den Kanal abgestimmt sind, wirken immer hochwertiger und können die Zielgruppe viel exakter targetieren. Wenn man jedoch nur ein begrenztes Budget hat, wäre es ratsamer, eine Kampagne zu nehmen und diese auf die verschiedenen Kanäle anzupassen. Wichtig ist jedoch, dass das Thema der ursprünglichen Kampagne grob genug gehalten wurde, sodass der Kompromiss nicht zu Lasten der Werbemittel geht.