Virtuelle Messen im Marketing Mix richtig nutzen

Virtuelle Messen im Marketing Mix richtig nutzen

2020 ist ein Jahr, wo wir die Möglichkeiten der Technik erst wirklich wahr genommen haben. Das Internet, leistungsfähige Computer, Virtual und Augmented Reality waren bereits lange verfügbar, doch wir haben diese technischen Lösungen eher als Spielereien abgetan und nicht wirklich realisiert, welche Möglichkeiten direkt vor uns stehen.

Einige Unternehmen ahnten es schon vor langer Zeit und haben Techniken entwickelt, die genau jetzt ihren Höhepunkt erleben. Zoom zum Beispiel wurde bereits 2011 gegründet, konnte sich allerdings durch eine strategische Positionierung auf dem Markt als einer der Gewinner der Krise hervorheben. Das Unternehmen bietet Meeting Software an, wo man mit dem Computer, Tablet oder auch Smartphone teilnehmen kann. Die Nutzeranzahl lag im Dezember 2019 bei 10 Millionen und im März 2020 bereits bei 200 Millionen.

Kleine Anpassungen können ausschlaggebend sein

Ausschlaggebend für den Erfolg war, dass das Unternehmen erkannt hatte, dass wichtige Funktionen in dieser Zeit essentiell für die Nutzer sind und man hat diese dann in der kostenlosen Version zur Verfügung gestellt. Andere Mitbewerber auf dem Markt, wie Skype oder Google Hangouts, haben diese essentiellen Funktionen nicht integriert oder kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Verantwortlichen bei zoom haben erkannt, dass es technische Lösungen gibt und haben sie einfach genutzt und angeboten. Dadurch kam es zu einem Anstieg der Aktienwerte des Unternehmens auf über 40 Milliarden US $.

Wenn es in Deutschland um Innovationen und Investitionen geht, führt nichts an den Messen vorbei. Besonders für viele Vertriebler sind Messen und After Work Zusammenkünfte wie ein großer Spielplatz, auf welchem sie sich austoben können. Mit der Krise und den diversen Bestimmungen zu Hygiene und Verhalten in öffentlichen Räumen mit mehreren Menschen sind die meisten Messen und Veranstaltungen jedoch ausgefallen oder stehen kurz davor abgesagt zu werden.

Neue Wege denken

Doch ausgefallene Messen heißt nicht, dass Investitionen einfach gestoppt werden können oder es keine Innovationen mehr gibt. Hier erfindet sich eine ganze Branche grade neu. Der Trend, auch weil es der einzig mögliche Weg momentan ist, geht hin zu virtuellen Messen und hybriden aus haptischen Vorstellungen und einer rein virtuellen Vorstellung der neuen Produkte.

Der ursprüngliche Gedanke der Messen war es, neue Produkte der Welt vorzustellen und dabei unmittelbar auf Vertreter der Branche und potentielle Kunden zu treffen. Seit jeher dienten die Messen als Verkaufsgelegenheit für die Unternehmen und die Kunden konnten sich einen guten Überblick über die verschiedenen Angebote und Neuheiten machen. In den letzten Jahren sind jedoch sehr viele Messen zu rein brancheninternen Treffen geworden, auf denen Verbraucher oder Kunden wenig anzutreffen waren. Messen wurden mehr und mehr genutzt, um sich auszutauschen und Netzwerke aufzubauen.

Virtuelle Messen versuchen nun diesen Verlust zu kompensieren und ob sie es wirklich schaffen, werden erst die Konjunkturzahlen zeigen können. Die Fakten sind jedoch die, dass virtuelle Messen eine Vielzahl an Vorteilen mit sich bringen. Während einige noch denken, dass es dabei um PowerPoint Präsentationen mit einer schlechten Audioqualität geht, werden andere bereits erkannt haben, dass es viel mehr ist als das. Einige Anbieter setzen darauf, den gesamten Messestand virtuell nachzubauen, sodass man sich mit einer VR-Brille diesen realistisch und plastisch ansehen kann. Die Vertriebler werden als Avatar dargestellt und können einem direkte Auskunft über die Neuigkeiten der Produktpalette geben.

Der Vertriebler hat jederzeit Zugriff auf alle Daten und Unterlagen, da er selber ja im Home Office oder im Unternehmen sitzt und so sämtliche Informationen geben kann. Die Präsentation der Produkte wird also bedeutend informativer und im Vertrieb kann man einfacher auf Kundenwünsche eingehen, was auch dem Up- & Cross Selling zugute kommt.

Dabei ist es allerdings nicht so, dass man wie auf einer normalen Messe sich in mitten von hunderten Leuten unterhalten muss. Geschützte Audiobereiche für private Gespräche sind jederzeit möglich und in sekundenschnelle eingerichtet. Besonders bei Karrieremessen kann dies ein entscheidender Vorteil sein, wenn die Personalabteilung spontane Vorstellungsgespräche umsetzen kann und die Kandidaten anonym für Außenstehende mit den Personalabteilungen von anderen Firmen in Verbindung setzen kann.

Doch auch für die Industrie kann dies eine wegweisende Erfahrung sein. Seit Jahren gehen die Buzzwörter IoT und Industrie 4.0 durch die verschiedenen Branchen und es wird geträumt und gewünscht von einer vernetzten und vor allem intelligenten Maschinerie. Man will Daten in Echtzeit auslesen können und Prognosen abgeben, wie sämtliche Faktoren in Produktion, Wartung, Pflege und auch Instandhaltung stehen.

Hierbei können die anbietenden Produzenten dieser Maschinerie eindrucksvoll zeigen, wie dies real aussieht, indem man die Daten einer Beispielmaschine vom Home Office aus einsehen kann, Reports erstellen kann und dadurch die Daten nicht nur erfassen sondern auch direkt auswerten kann. Wenn sich die Aussteller auf den Messen mit den technischen Möglichkeiten vertraut machen, können sie neue, kreative Wege finden, ihre Produkte zu präsentieren. Es bleibt nicht bei einer einfachen Präsentation, wo die Slideshow witzige Übergänge hat. Es geht um einen virtuellen Showroom, wo man mit VR & AR neue Maßstäbe setzen kann.

Bei der Umsetzung der Stände kann man dabei auch Naturgesetze durchaus vernachlässigen und riesige Apparaturen in eine handliche Größe skalieren, sodass jeder Interessent Detail und Orientierung für sich selber betrachten kann. Ob das Zementwerk dabei in Originalgröße begangen wird, oder im Maßstab von 1:500 aus der Vogelperspektive betrachtet wird, ist dabei nicht von Bedeutung.

Doch für die Unternehmen gibt es noch weitere Vorteile. Wenn die Messe virtuell ausgetragen wird, spart man sich sämtliche Reisekosten und die Zeiten für Auf- und Abbau des Standes. Die Reichweite der Angebote auf der Messe sind weltweit und durch zielgerichtete Reportings und Metrics kann man sehr genaue Analysen durchführen. Das Infomaterial kann digital verteilt werden und muss nicht mehr aufwändig gedruckt werden und digitale Goodie Bags können durchaus erschwinglicher sein, als ein Beutel voller Streuwerbung.

Darüber hinaus kann eine Präsentation des virtuellen Messestandes aufgezeichnet werden und die Informationen, die dort gezeigt wurden, können im Anschluss an die Messe in der Zweitverwertung als Werbe- und Informationsmaterial genutzt werden. Generell sorgt der einfache Zugang zu den Informationen zu einem effizienteren Rundgang. So kann der Aufenthalt auf einer Messe von 2 Tagen auf wenige Stunden heruntergebrochen werden.

Die Besucher müssen keine langen Anfahrten in Kauf nehmen oder Menschenmassen, die sich um gewisse Stände versammeln. Die virtuelle Messe kann durchaus sehr viele Vorteile mit sich bringen. Auch After Work Zusammenkünfte zwischen den Ausstellern und den Messebesuchern können veranstaltet werden, bei virtuellen Zusammenkünften in einem zoom Meeting. Dabei können sich die Menschen privat unterhalten, netzwerken und den Tag mit den Erfahrungen wie gewohnt nach einer Messe ausklingen lassen.

Was einigen durchaus fehlen könnte, ist die Haptik der Produkte. Für einen Informationsaustausch besonders was Dienstleistungen, Reisen, Bücher oder Unterhaltung angeht, eignet sich eine virtuelle Messe sehr stark. Doch für Messen wo es stark um Haptik, Geschmack oder auch Gerüche geht, wie bei der Internorga (Internationale Fachmesse für Gastronomie und Hotellerie in Hamburg) ist es schwierig, diese Eigenschaften entsprechend virtuell zu transportieren.

Wenn das eigene Unternehmen nicht auf eine Messe im Marketingmix verzichten möchte, kann man mit den entsprechenden Partnern an der Seite einen virtuellen Showroom erstellen und darin die neuen Produkte und Möglichkeiten den potentiellen Kunden vorstellen. Auch hybride Alternativen, die online die Vorzüge vorstellen und dann mit einer Roadshow diese Produkte hautnah präsentieren können, erleben einen Aufschwung. Hierbei kann man das Beste aus beiden Welten vereinen und so seine Kunden durch Vielfalt und Innovation in der Produktpräsentation von sich überzeugen.