Vom Igel & dem Zukunfts-Truck

Vom Igel & dem Zukunfts-Truck

Was haben Tesla, Sonic the Hedgehog und die PlayStation 5 gemeinsam?

Die erste Präsentation ging bei allen in die Hose. Beim Tesla Cybertruck ist die schusssichere Scheibe zersprungen, als Elon Musk eine schwere Kugel dagegen warf. Der Kinofilm Sonic the Hedgehog hat im ersten Trailer einen sehr menschlich aussehenden blauen Igel gezeigt, der weit entfernt von der Videospiel Vorlage aus den 90ern war. Die PlayStation 5 wurde vorgestellt und das Design wurde im Internet mit Aktenordnern oder moderner Architektur verglichen.

Was allerdings auch passierte, war kostenloses Marketing für die Produkte. Der Cybertruck wurde über 250.000 mal reserviert und wer in 2020 den Truck bestellt, erhält ihn wohl erst 2025. Der Sonic Film wurde überarbeitet, der Igel bekam den Gesichtsausdruck wie in der Videospielreihe und spielte am ersten Wochenende direkt 111 Millionen $ ein. Die PlayStation 5 wurde grade erst vorgestellt, aber bereits jetzt ist das Design zu einem Meme geworden. Besonders in Konkurrenz mit der Xbox witzeln viele, dass man sich zwischen Aktenordner und Kühlschrank entscheiden muss.

Doch wie weit ist ein Fail in einer Präsentation kalkuliertes Marketinggeschick? Kaum ein Unternehmen wünscht sich einen Shitstorm zu einem neuen Produkt. Allerdings haben diese drei Unternehmen gezeigt, wie man mit Selbstbewusstsein zu Fehlern stehen kann und die Stimmung des Internets für sich nutzen kann.

Elon Musk hat die Präsentation mit Humor genommen, da er auch wusste, dass noch viel Arbeit in dem Elektro-Truck steckt, bevor er wirklich ausgeliefert wird. Es ist also nur ein kleines Detail, dass man mit wenigen Handgriffen lösen kann. Allerdings hat er dadurch auch die Aufmerksamkeit der gesamten Welt auf sich. Ob man sich für Elektromobilität, Tesla im speziellen oder diese Präsentation interessiert oder nicht, mitbekommen hat es fast jeder. User auf Twitter und Facebook haben es massenhaft geteilt, in Foren wurde diskutiert und in den Nachrichten wurde grenzüberschreitend darüber berichtet.

Natürlich wollte Elon Musk nicht, dass die Scheibe zerbricht, sondern eine perfekt inszenierte Präsentation. Doch mit den Worten „It needs some improvement“ und einem Lächeln auf den Lippen hat er weiter gemacht und am nächsten Tag ein Video auf Twitter gepostet, wo die Scheibe der Kugel stand hielt. Bis dahin war die Szene aus der Präsentation aber schon legendär und ist Teil der Internetgeschichte geworden.

Wie ein Lauffeuer sind die Bilder durch das Internet gegangen und die Artikel und Memes wurden zuhauf geteilt und kommentiert. Natürlich spielt hier die Schadenfreude mit und jeder hat den Auftritt genossen. Aber es war auch erfrischend zu sehen, dass niemand unfehlbar ist. Egal ob bei Tesla, Sonic oder der PS5, als Konsumenten sehen wir extreme Entscheidungen und bewerten diese. Doch ein Flop wird es nur, wenn man sich Fehler nicht eingestehen will. In Amerika ist die Kultur des Scheiterns weit verbreitet während man in Deutschland Fehler immer verteufelt.

Die Kommunikation & Strategie bei diesen Produkten ist einzigartig, aber auch die Fehlerkultur. Die Unternehmen nehmen mit ihren neuen Produkten extreme Standpunkte ein. Wenn es gefällt, ist es business as usual. Wenn es nicht gefällt, ist es im besten Fall ein Aufschrei, der durch das Internet um die Welt geht. Diesen Aufschrei gilt es zu nutzen, um den Hype hinter dem eigentlichen Produkt zu nutzen und seine Fehler zu verbessern.